Wieviel Vegan ist Vegan genug?

Wer vegan leben will, steht gerade am Anfang vor ziemlich vielen Fragen und „Problemen“. Es muss geguckt werden, was man denn überhaupt noch essen darf, wobei das Wort „darf“ ja eigentlich schon total falsch ist. Denn eigentlich dürfte man ja weiterhin alles essen, man will es nur nicht. Nun fängt man also an sich zu informieren, welche Lebensmittel man so konusimieren kann, ohne das dafür ein Tier zu Schaden gekommen ist.

Hat man dies dann erst einmal drauf, steht man schon vor dem nächsten „Problem“. Was für Klamotten kann ich denn jetzt noch tragen? An der Jeans ist ein kleines Lederschildchen hinten aufgenät, die Lieblingsschuhe sind aus Leder und ja, selbst die heißgeliebten Chucks kann man nicht mehr kaufen, denn auch die sind nicht vegan. Auch die kuschelige Daunendecke ist nicht vegan, weil, wie das Wort ja schon sagt, sie ist mit Daunen gefüllt. Ausserdem will man natürlich irgendwie auch noch drauf achten, dass die Klamotten fairtrade sind. Zuerst ist man schockiert, scheinen diese Klamotten doch viel teurer als die geliebten alten Markenklamotten zu sein. Vergleicht man jedoch die Preise, merkt man schnell, dass diese Klamotten meistens gar nicht viel teurer sind.

Hat man jetzt zB bestimmte Hobby’s wie fotografieren mit analogen Kameras, stricken & häkeln, Bodymodification, Kalliegraphie oder ähnliches, stößt man auch hier schnell an seine Grenzen. Filme für analoge Kameras sind meistens irgendwie mit Gelatine, die beste Wolle zum stricken ist leider dann doch tierische Wolle, Tattoofarbe ist teilweise auch nicht wirklich vegan (wobei es hier jedoch tatsächlich vegane Farben gibt) und für Kalliegraphiefarben wird teilweise Eigelb zum mischen von Farben genutzt. Auch sporttreibende Menschen müssen sich manchmal neu orientieren, denn auch viele Sportbekleidungen sind nicht vegan.

Es ist manchmal nicht ganz einfach, vegan zu leben. Ist es falsch, wenn man zB schon großflächig tättowiert war, bevor man vegan wurde, und sich weiterhin, ohne sich nach veganen Farben zu informieren, tättowieren zu lassen? Ist es wirklich schlimm, wenn man zB zu Kopfschmerztabletten  greift, die auch nicht vegan sind, anstatt sich hinzulegen und die Kopfschmerzen „auszuschlafen“?

Ich habe festgestellt, das es irgendwie in jeder „Szene“ anscheinend eine „Polizei“ gibt, die anderen versucht vorzuschreiben, wie man was am besten macht und wenn man nicht so und so handelt, dann macht man sowieso alles falsch. Ist es also wirklich schlimm, wenn man als Veganneuling nicht wie der größte Aktivist handelt, sondern sich erst mal herantastet? Ist es wirklich so verwerflich, wenn Mensch sich aus gesundheitlichen Gründen entscheidet, vegan zu leben? Ich finde es zumindest großartig, wenn Menschen überhaupt versuchen vegan zu leben. In der heutigen Zeit ist es leider gar nicht wirklich möglich, komplett vegan zu leben. Komplett vegan zu leben würde bedeuten, sich sein häusschen selber aus Naturmaterialien zu bauen, alles selber anzupflanzen und so weiter. Fast alles, womit wir täglich in Berührung kommen oder womit wir arbeiten, ist nicht vegan.

Wieviel vegan ist also vegan genug? Ich bin jetzt seit zweieinhalb Jahren vegan, ich habe immer noch meine alten Sambas von vor mehr als 7 Jahren die ich regelmässig trage, meine neuen Tattoos sind mit sehr wahrscheinlich unveganer Farbe gestochen und ich fotografiere mit unveganen Filmen. Meine Medis sind alles andere als vegan, da der Wirkstoff gentechnologisch in tierischen Zellen hergestellt wird (ihgitt). Leider brauche ich diese Medis, es gibt keine vegane Alternative. Bin ich also nun eine „schlechte“ Veganerin? Mir ist es egal, was die „Veganpolizei“ dazu sagt, denn ich tu mein bestes, vegan zu leben.

Hier noch ein paar Links zu netten Shops mit veganen Klamotten und Essbarem:

 

Advertisements

18 Kommentare zu „Wieviel Vegan ist Vegan genug?

  1. WAS? Chucks sind nicht vegan?! Ich dachte das immer und hab das auch so oft gelesen. Oh nein, ich hab mir erst für den Sommer neue gekauft 😦

    LG Federchen

  2. Dass deine Tattoos wahrscheinlich unvegan sind, würd ich gar nicht mal so vermuten.
    Ich habe mich letztens hier beim Tattowierer in meiner Stadt erkundigt. Die hatten selber keinen Plan davon, haben mir dann aber die vier Marken aufgeschrieben, die sie verwenden und ich habe dann zuhause recherchiert. 3 der 4 Marken sind vegan.

    1. oh, welche farben benutzen die denn? ich hab ja ziemlich viel schwarz, also blackworks, und die schwarze farbe ist ja meistens unvegan :/ aber eigentlich muss man ja noch auf seife, einmalrasierer und vaseline achten, das kann alles potentiell unvegan sein

      1. Ja da hast du recht. Nach dem Zubehört hab ich noch nicht gefragt, weil ich eh erstmal noch für mein Tattoo sparen muss. Am liebsten hätte ich aber jetzt auf der Stelle eins bzw noch besser mehrere 😀
        Die veganen bei dem Tattowierer in meiner Stadt sind alla prima, eternal ink und intenze.
        Wenn ich mir dann mal ein Tattoo stechen lasse, würde ich die Hanfsalbe von vegan wonderland für die Nachsorge nehmen und statt vaseline auch eine vegane Alternative mitbringen.
        Mit der Seife, das ist so eine Sache. Klar am besten selber mitbringen. Aber ich wasche mir ja zB auch bei Freunden oder in der Uni die Hände mit Seife. Die ist sicherlich auch nicht vegan….

      2. jep das stimmt. man kann halt einfach nicht auf alles achten, man muss sich irgendwo seine grenzen setzen.

        apropos nachsorge: mein tättowierer hat mir geraten, das frische tattoo gar nicht mit irgendwelchen heilsalben oder so zu säubern und hat mir erklärt warum, im nachhinein eigentlich total logisch: das tattoo heilt ab, es sollen keine fremdkörper, in dem falle die farbe, austreten. weicht man jedoch die kruste mit heilsalbe auf, die ja fremdkörper aus dem körper ziehen soll, wird farbe aus dem frischen tattoo gezogen. ich hab also meine beiden tattoos von ihm erst angefangen zu pflegen, als alles abgepellt war und siehe da, alles super schnell verheilt, nichts passiert und es muss nichts nachgestochen werden.

      3. hehe 😀

        naja aber zu dem thema hat jeder ja ne andere meinung, meine tättowiererin hier in hh hat mir empfohlen das tattoo von anfang an einzucremen, aber naja ^^

        ich muss auch noch warten bis mein arm fertig gemacht wird, grusam darauf zu warten

  3. Mit der Veganpolizei musste ich mich auch schon „rumschlagen“. Es scheint einen unsichtbaren Vegangradmesser zu geben, auf dessen Skala ich mich noch zu weit unten befinde. Als ich angefangen habe, mich mit der Umstellung auf eine vegane Lebensweise zu beschäftigen, ist mir relativ schnell klar geworden, dass es den 100%igen Veganer in unserer Gesellschaft wohl kaum geben kann. Denn wie Du schon richtig sagst, spätestens bei der Medizin hört das Ganze auf.

    Mein Ziel ist es deshalb so vegan und verantwortungsbewusst wie möglich zu leben. Ich bin nun mal nicht schon seit Kindesalter Veganerin. Auch ich habe einmal Fleisch gegessen. Dazu sollte man stehen. Schon alleine deshalb, weil es anderen zeigt, dass jeder sich ändern kann und es nie zu spät ist einen besseren Weg einzuschlagen. Wir alle können die Welt verändern, wir müssen nun einfach mal damit anfangen. Wie groß oder wie klein die Schritte sind, ist völlig egal.

    Ich werde meine Schuhe aus Leder und die Chucks solange tragen, bis sie kaputt sind. Alles andere wäre Verschwendung und produziert nur mehr Müll. Bei neuer Kleidung mache ich aber keine Kompromisse mehr. Meine Tattoos sind auch teils mit nichtveganer Farbe gestochen. Aber auch das gehört zu mir. Mein Mann war früher ein großer Käseliebhaber und hat auf dem ganzen Unterarm ein „Käse für immer“-Tattoo mit einem Stück Gouda tättowiert. Jetzt ist er Veganer. Soll er deshalb das Käsetattoo weglasern lassen? Wohl kaum.

    Mach Dir keine Sorgen. Lass Dir von niemanden einreden dass Du eine schlechte Veganerin bist. Du mußt auch nicht zur hysterischen Aktivistin mutieren und an jeder Protestaktion teilnehmen, nur um in den Club für „echte“ Veganer aufgenommen zu werden. Du alleine entscheidest, wie Du diesen Weg beschreitest (das reimt sich sogar ;o)

    1. Genau so seh ich das alles auch. Ich lass mir von keinem vorschreiben wie ich vegan lebe, denn ich tu schon eine ganze Menge. Die Freunde von mir, die mich schon länger kennen, sind auch immer noch total verblüfft das ich überhaupt vegan lebe, da ich Fleisch früher in rauhen Mengen gegessen habe. Aber das war mal, ist jetzt nicht so und da bin ich ziemlich stolz drauf 😉

  4. ich finde deinen Eintrag sehr gut gerade, weil der so ziemlich das widerspiegelt, was gerade auch in mir vorgeht.
    Ich ernähre mich jetzt seit kurzem vegan und hab eben auch oben genannte Problematik vor allem mit daunendecke etc.
    Ich meine ich habe mich aus gesundheitlichen Gründen für das vegane Leben entschieden, was ja aber nicht heißt, dass man sofort alles umkrempeln muss.
    Ich finde beim vegan sein gibt es in der Hinsicht schon gar kein falsch und richtig mehr, weil man schon so auf einfach viel viel viel unsagbar mehr achtet, als viele andere und keiner brauch sich irgendetwas vorzuwerfen!
    Ich finde es selbst schon gut, wenn nicht vegane Freunde von mir auf einmal auf Naturkosmetik ohne Tierversuche umsteigen, nur weil sie Sachen durch mich mitbekommen oder sich einfach bewusster ernähren.
    Ich finde, viele Wege führen nach Rom und davon sagt ja auch keiner er sei falsch 😉

  5. Seit 11 Jahren bin ich Vegetarierin und befinde mich gerade im Prozess viele Dinge auf „vegan“ umzustellen. Es wird zwar sehr oft gesagt, es sei so einfach vegan zu leben, aber das ist es nicht. Man muss auf vieles achten und auch vieles verzichten – wenn man mal ehrlich ist. Ich finde, es ist eher ein Prozess, als dass es von heut auf morgen möglich ist vegan zu leben. Man muss sich von alten Gewohnheiten verabschieden, Neues ausprobieren und Alternativen finden, das braucht Zeit. Und tatsächlich glaube ich, dass es wirklich nicht möglich ist, komplett vegan zu leben. Es ist einfach nicht praktikabel, denn man hat ja noch sehr viele andere Dinge im Leben zu tun, als sich den ganzen Tag damit zu beschäftigen, was man nun essen oder kaufen darf und was nicht. Man muss auch bedenken, dass alle anderen um einen herum eben keine Veganer sind. Und man möchte sich ja auch nicht komplett abkapseln oder immer eine „Extrawurst“ verlangen. Was ich immer sehr ärgerlich finde, sind die Leute, die sagen, „Ja, aber wenn du das machst, musst du auch das machen – und wenn du nicht alles richtig machst, bringt es ja gar nichts“. Dieses schwarz-weiß-Denken ist zum Kotzen. Wenn jeder mal über seinen Konsum nachdenken würde und jeder dann eher „grau“ lebt, also wenigstens ein bißchen darauf achtet, was er tut, wäre der Welt schon sehr viel mehr geholfen. Ich weiß, dass ich nicht in allem 100% konsequent bin, aber dann bin ich lieber zu 80% konsequent und überdenke meine Entscheidungen, als gar nichts zu unternehmen.

  6. hey 🙂
    ich bin gerade über dich und deine Worte gestoplert. ich lebe z.Zt. noch nicht vegan, beschäftige mich aber an vielen Ecken meines Lebens mit der Problematik und versuche mein Leben, meinen Konsum und meine Hobbys anzupassen, Alternativen zu finden und so meinen Teil beizutragen. meiner Meinung nach sind es auch kleine Schritte, die einen auf den richtigen Weg und zum Ziel bringen.
    ich bin sehr froh über deinen Beitrag, er macht Mut und ich finde ihn sehr Wegweisend.
    Ganz besonders, weil er auch Angst nimmt, immer und überall etwas falsch zu machen, bei dem Versuch vegan zu leben.

    Vielen Dank!!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s